14. October 2007

Türkei tut sich schwer gegen vermeintlich leichte Gegner - Nur ein 1:1 gegen Moldawien

Vor dem Spiel hatte ich eine böse Vorahnung. Türkei würde es nicht einfach haben gegen Moldawien im EM-Qualifikationsspiel trotz des deutlichen Hinspiels, dass die Türken mit 5:0 für sich entscheiden konnten. Die Türken hatten in den letzten Partien keine guten Spiele absolviert und haben sich gegen die vermeintlichen schwachen Gegner schwer getan. Am Ende sollte sich meine Vorahnung bewahrheiten. Die Türkei spielte auswärts gegen Moldawien nur 1:1.

Bereits vor dem Spiel war allen beteiligten klar, dass die Türken gewinnen mussten, um ihre Position in der oberen Tabellenhälfte zu verfestigen. Entsprechend hoch war also der Druck. Der Gegner, Moldawien, eine vermeintliche leichte Aufgabe für die Millionentruppe Fatih Terims. Alles schlechte Vorzeichen für ein Spiel der Türken.

Das Spiel begann mit einem Schock und einem unerwarteten 1:0 für Moldawien. Aus einem langen Einwurf wurde ein Tor, dass mehr durch die Unachtsamkeit der türkischen Abwehr entstand. Bis dahin waren die Türken bemüht, die Moldawier dagegen lauffreudig. Kein türkischer Spieler konnte den Ball fünf Meter führen, ohne dass ihn gleich zwei, drei Moldawier störten. Das Pressingspiel der Moldawier führte bei den Türken zu häufigen Ballverlusten, was sich auf das Angriffsspiel auswirkte. Sporadische Torchancen, sporadische Spielzüge und kaum drei Pässe hintereinander.

Das türkische Spiel krankte an mangelnder Spielkultur. Auf Teufel komm raus wurde der Ball meist nach vorne gedrescht, zu hastig wurde zum nächsten Mann auf kleinem Raum gespielt ohne nennenswerten Raumgewinn. Hinzu kamen Fehlpässe, die selbst zur Auswechslung eines F-Jugendspielers führen würden.

Das türkische Spiel hatte, wie so oft in der Vergangenheit, kein System. Allenfalls sind sich die Spieler darüber im klaren, auf welcher Position sie spielen. Doch die Fähigkeit, das Spiel an sich zu reisen, Ball zu halten, das Spiel schneller oder langsamer zu machen, fehlt. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Türkei über das gesamt Spiel gesehen, die aktivere und nach vorne bemühtere Mannschaft war, doch das Spiel kontrolliert haben sie nicht.

Den hohen Ansprüchen, den sich die Türken selbst stellen, laufen sie auf diese Art nur hinterher. In der Abwehr sind grobe Schnitzer mit Gegentoren für jedes Spiel vorprogrammiert. Im Mittelfeld fehlt ein Regisseur, der das Spiel lenkt und das Tempo bestimmt. Im Sturm fehlen Knipser oder sitzen auf der Bank. Zu viele Individualisten, zu viele Dribbler, zu wenig Teamwork. Das Einschwören der Mannschaft vor dem Spiel hielt sich nur bis zum frühen Gegentor. Ab dem Zeitpunkt wurde untereinander gemeckert und mit dem Finger auf Mitspieler gezeigt.

So ist die Türkei allenfalls europäischer Mittelmaß. Stets bemüht aber ohne wirklich Willen und Selbstbewusstsein. Wenn ein Führungsspieler und Mannschaftskapitän wie Emre Belözoglu auch nach einer Stunde Spielzeit und 1:0 Rückstand sich erst überwinden muss, um dem Gegner nach einem verlorenen Zweikampf hinterher zu rennen, dann ist das nur traurig und zeigt, das Fatih Terim die Mannschaft nicht im Griff hat.

Am Mittwoch steht ein harter Brocken auf der Liste. Griechenland, Tabellenerster mit vier Punkten Vorsprung auf die Türkei, wird sich nicht verstecken wir Moldawien und nur darauf bedacht sein, das gegnerische Spiel zu stören. Vielleicht liegt aber gerade das den Türken. Ein Gegner, der mitspielt. Der Druck, den sich die Türken mit dem 1:1 aufgebaut haben ist aber enorm. Sie liegen mit nur einem Punkt vor Norwegen. Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage ist der zweite Platz mit größter Wahrscheinlichkeit weg.

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