Duisburg macht Stuttgart das Leben schwer
Am Samstagnachmittag war der amtierende Deutsche Meister VfB Stuttgart zu Gast in der MSV-Arena. Beide Mannschaften hatten nur ein Ziel: Sieg. Der VfB musste unbedingt gewinnen, um ihre Talfahrt der letzten drei Woche stoppen zu können. Doch auch der MSV hatte die drei Punkte nötig, um im Abstiegskampf ein wenig Luft zu holen. So waren auch viele Fans im Stadion sehr optimistisch: „Ich tippe auf ein 2:1 Heimsieg der Duisburger Jungs“, antwortete einer der Fans auf meine Frage. Zweifellos hatten die Duisburger auch durch das letzte Revierderby gegen Borussia Dortmund an mehr Selbstsicherheit gewonnen. Es ist aber anzumerken, dass in den Tribünen große Lücken zu sehen waren, was wohl auf den voraussehbaren Abstieg der Mannschaft zurückzuführen ist.
Auch in diesem Spiel wurden die Fans sehr früh enttäuscht: Mario Gomez konnte Sven Beuckert nach einer Flanke aus dem rechten Flügel durch einen Kopfball überwinden und erzielte somit den ersten Treffer für sein Team. Trotz des Rückstands waren aber überall ermunternde Rufe der Fans zu hören – bis Gomez kurz vor der Halbzeitpause (41. Minute) den zweiten Treffer erzielte. Es herrschte zunächst überall Stille. Nur die Jubelschreie der Gästefans waren zu hören. Ein Anzeichen für große Enttäuschung. Anschließend riefen die MSV-Fans sogar, dass die Mannschaft diese Fans nicht verdient hätte. Der Höhepunkt der Proteste war zu Beginn der zweiten Halbzeit erreicht, als ausnahmslos alle im Stadion anwesenden Fußballfreunde die Stuttgarter Profis applaudierten. Die Zebras wurden ausgepfiffen. Ob dies die richtige Haltung war, ist allerdings fraglich. Man kann alles kritisieren: Den Vorstand durch seine Transferpolitik, den Trainer durch seine Spielerwahl und Trainingsmethoden, sogar die Spieler durch unproffessionelles Verhalten. Aber man darf die Profis niemals lauthals aufgrund ihrer Leistung protestieren, denn sonst verliert man diese Mannschaft komplett. Konstruktive Kritik ist der Stichpunkt zum Erfolg. Keine niedermachenden Sprüche.
Trotz der inakzeptablen Haltung der eigenen Fans liefen die Duisburger Jungs in der zweiten Hälfte mit viel Selbstvertrauen auf und sorgten schnell für Furore: Nach dem Freistoßtor von Claudiu Niculescu (49.) konnte Manasseh Ishiaku (57.) den Ausgleichstreffer erzielen. Duisburg bebte. Stuttgart schwieg. Es würde mich sehr interessieren, ob diejenigen, die ihre Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt protestierten, nach diesen Treffern ein rotes Gesicht bekommen haben.
Die ganze zweite Hälfte stach einem die klare Dominanz der Duisburger ins Auge. Rudi Bommer wird in der Zwischenpause seinen Spielern wohl den warnenden Zeigefinger vor die Nase gestreckt haben. Doch in einer Phase, wo das Spiel schon fast als beendet galt, meldeten sich die Stuttgarter durch einen späten, aber effektiven Wespenstich wieder zu Worte: Nationalspieler Thomas Hitzlsperger erzielte den Siegestor für seine Mannschaft. In Duisburg war ein Erdbeben der Stärke 3,2 zu spüren.
Nach dem Ausgleichstreffer der Dortmunder in der Nachspielzeit am letzten Spieltag waren es nun wieder die letzten Minuten, die den Duisburgern wichtige Punkte kosteten. Einen Vorteil hat es aber: Nun weiß Bommer wenigstens, woran er arbeiten muss.

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