Galatasaray in der Krise
Nach der Blamage im UEFA-Cup Rückspiel gegen Leverkusen musste Galatasaray Istanbul am gestrigen Spieltag erneut eine Schlappe hinnehmen. Der Tabellenführer empfing das Schlusslicht der Liga Kasimpasaspor, eine Mannschaft des Istanbuler Stadtteils „Kasimpasa“, konnte aber in keiner Phase des Spiels eine gewisse Dominanz aufbauen und den Gegner unter Druck setzen. Das Ergebnis lautet 0:1. Zwar nicht eindeutig, aber ausreichend für die Gäste, um die so wichtigen drei Punkte zu schnappen. Nach dem Sieg letzte Woche gegen Denizlispor kämpften die Neulinge der Turkcell Süper Lig mit Herz und Seele, um ihren Club von der erneuten Rückkehr in die Zweite Liga zu verschonen. Dagegen sah man „den Löwen“ deutlich an, dass sie höchst demotiviert aufliefen statt sich mit einem Sieg von den Fans wegen des Skandals gegen Leverkusen zu entschuldigen. Doch wer ist Schuld an diesen beiden Niederlagen?
Viele geben „Kalli“ Feldkamp die Schuld. Dies ist die spontane Reaktion nach solchen Niederlagen, die bei unüberdachtem Verhalten sogar dazu führt, dass einige meinen, Feldkamp solle seinen Posten auf der Stelle aufgeben. Wenn man aber einen Schritt weiterdenkt, ist zu sehen, dass die Schuld nicht beim Trainer liegt – zumindest nicht ausschließlich. Als „Kalli“ im Spiel gegen Leverkusen, wie die Wochen auch zuvor, nur die jungen, türkischen Spieler aufstellte, wurde lauthals gerufen, man dürfe die Stammspieler nicht auf der Bank sitzen lassen. Die jüngeren Profis wären noch zu unerfahren für solch eine wichtige Partie. Vor allem wurde kritisiert, dass der Abwehrchef Rigobert Song nicht spielen durfte. Scheinbar hat Feldkamp diese Kritiken eingesehen, was dazu führte, dass gegen Kasimpasaspor wieder Spieler wie Lincoln, Nonda, Song, Carrusca und auch Barusso ihren Platz in der Startelf einnahmen. Dagegen mussten Mehmet Topal, Serkan Calik, Arda Turan (gesperrt), Hakan Sükür und Baris Özbek eine Pause einlegen. Ergebnis? Eine Niederlage gegen den Tabellenletzten.
Wo also soll der Fehler Feldkamps sein? Jedenfalls nicht bei der Spielerwahl, denn wie man sieht schaffen es auch die Stammspieler nicht gegen eine Mannschaft zu gewinnen, die weit unter ihrem Niveau ist. Ganz im Gegenteil: Feldkamp hatte sogar das größte Problem Galas vorher erkannt und erwartet, dass man einen neuen Torhüter verpflichtet. Die Fehler Orkuns gegen Leverkusen sind unverzeihlich, sowie sein Fehler gegen Kasimpasaspor bei der Aufstellung der Barriere beim Freistoß. Das einzig zu kritisierende an Feldkamp wäre, dass er im Rückspiel gegen Leverkusen einen zu offensiven Fußball hat spielen lassen. Selbst ein Remis mit Toren wäre genügend, um die Tickets für die nächste Runde nach Hamburg zu reservieren. So hat Leverkusen die Defizite in der Abwehr gnadenlos bestraft. Aber auch hier sind es an erster Stelle die Spieler schuld. Wer so spielt hat nichts verdient.
Nun haben die Spieler zwei große Derbys vor sich – somit auch zwei gute Chancen, um ihre Peinlichkeiten in letzter Zeit wieder gutzumachen. Am Mittwoch wird der Erzrivale Fenerbahce im eigenen Stadion empfangen. Es geht um den Einzug in die nächste Runde des Fortis Türkiye Kupasi. Schon in derselben Woche geht es dann gegen Besiktas JK. Es bleibt zu hoffen, dass diese beiden Partien schadenfrei überstanden werden, denn ansonsten stehen harte Tage bevor.

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