17. March 2008

Fenerbahce SK vs. FC Chelsea - Ein Glückslos für die Türken

Zweifellos ist der Istanbuler Traditionsclub ein krasser Außenseiter in dieser Partie. Doch wie es das Schicksal aber so will, begegnet der reichste Club der Welt, gesponsert von Abramovich, wieder einer türkischen Mannschaft. Als ich von dem Losglück Fenerbahces erfuhr, kam eine Freude in mir auf. Ich assoziierte diese Partie sofort mit der Begegnung FC Chelsea – Besiktas JK im Jahre 2004. Für die, die sich nicht mehr erinnern können: Es ging im Stamford Bridge dank zweier Treffer von Sergen Yalcin 0:2 aus. Chelsea war besiegt. Besiktas schrieb Geschichte. Und sofort loderte in mir ein Funken der Hoffnung auf. Wird sich die Geschichte diesesmal mit einem anderen türkischen Club erneut wiederholen?
Zünächst einmal schauen wir uns den Gegner genauer an. Eine privatisierte Mannschaft, angewiesen auf ihren russischen Besitzer Abramovich, doch überfüllt von Weltstars. Didier Drogba, Nicolas Anelka, Lampard, Terry und Torhüter Czech sind nur einige Vertreter dieses Traumkaders. Aufgebaut vom Startrainer Jose Mourinho, wird die Mannschaft zurzeit aber von einem Trainer geleitet, der zu Wünschen übrig lässt. Avraham Grant ist sein Name. Seine einzige Trainerstation außerhalb Israels war Portsmouth, wo er aber lediglich ein Jahr lang verweilte. Ein Sportdirektor mit wenig Erfahrung. Chelsea ist ihm eine Nummer zu groß. Profitierend von Mourinhos Kader bewegt sich seine Mannschaft dennoch in der oberen Hälfte der Tabelle und hat im Kampf um die Meisterschaft noch so einiges mitzureden.

In der Geschichte des englischen Fußballs hat Chelsea nicht allzu große Erfolge zu verkünden. Bevor Jose Mourinho den Posten als Trainer übernahm, hatten sie bereits 50 Jahre lang nicht den Meisterschaftspokal in die Hände nehmen dürfen. Anschließend fuhren sie zwei Meisterschaften hintereinander ein, dann wurde Mourinho aber durch Grant ersetzt. Einen Sieg in der Champions League durften die Londoner bisher noch nicht genießen.

Und nun zu Fenerbahce. Der 17-Malige türkische Meister hat keine internationalen Erfolge zu verzeichnen. Bekannt geworden sind sie dank dem Konkurrenzkampf mit ihrem Erzrivalen Galatasaray SK. Ihr sensationeller Aufstieg in der Königsklasse sorgt rund um den Globus für Aufregung, dagegen überzeugen sie aber keinesfalls in der Liga. Dennoch lässt ihre diesjährige Leistung in der Champions League Hoffnungen erwachen. Sie überrumpelten Mannschaften wie Inter Mailand, ZSKA Moskau und PSV Eindhoven in der Gruppenphase und führten den amtierenden UEFA-Cup Meister der letzten zwei Jahre Sevilla regelrecht vor. Der Präsident Aziz Yildirim ist sozusagen ein Roman Abramovich in kleinerem Umfang. Er ist bekannt als einer der reichsten Clubführer der Türkei. Beweis dafür ist die finanzielle Lage Fenerbahces. Sie sind die einzige schuldenlose Mannschaft der Turkcell Süper Lig.

Ihr Kader zeugt von großer Qualität. Die Harmonie wird dadurch gewährleistet, dass fast ausschließlich nur Lateinamerikaner und Türken unter Vertrag stehen. Die einzige Ausnahme bildet Mateja Kezman. Stars wie Roberto Carlos und Alex schmücken die Startelf mit ihrem künstlerischen Fußball.

Um mal beide Teams zu vergleichen. Petr Czech zählt zu den besten Torhütern der Welt. Doch auch der türkische Nationaltorhüter Volkan hält sein Tor dicht, wenn er einen guten Tag hat. Beweis dafür ist seine Leistung im Elfmeterschießen gegen Sevilla, wodurch er seine Fehler in der Anfangsphase der Partie relativierte. In der Londoner Abwehr sind vor allem John Terry und Ashley Cole nennenswerte Spieler, aber Roberto Carlos überschattet Terrys Namen. Lugano ist mit Sicherheit auf Coles Niveau, mit der Voraussetzung, dass er seine Aggressivität zügelt. Im Mittelfeld muss man schon zugeben, dass Chelsea mit Shaun Wright-Phillips, Florent Malouda, Frank Lampard und Michael Essien klar überlegen ist. Doch im Gegensatz zu diesen sind Alex, Ugur Boral, Mehmet Aurelio, Selcuk Sahin und Deivid keinesfalls zu unterschätzen. Mit Didier Drogba und dem ehemaligen Fenerbahce-Stürmer Nicolas Anelka ist Chelsea auch im Sturm grandiös besetzt, aber Mateja Kezman und vor allem Semih Sentürk werden es der Londoner Abwehr nicht leicht machen.

Kurz und knapp gesagt ist Chelsea schon überlegen, jedoch schreibe ich der türkischen Mannschaft große Chancen zu, auch diese Hürde auf dem Wege nach Moskau beseitigen zu können. An diesem Punkt möchte ich noch als Schlusswort eine These des erfolgreichen türkischen Sportkommentators Kemal Belgin einbeziehen, der durch sein exzellentes Fußballwissen Hunderttausende von Lesern aufzuzeichnen hat und in einigen Kreisen als „Fußball-Professor“ bezeichnet wird. Bevor die Auslosungen stattgefunden hatten, sagte er, dass er keinefalls Schalke oder Rom als Gegner wünscht. Vielmehr wären ihm Barcelona oder Chelsea wert, gefolgt von ManU, Arsenal und Liverpool. Begründet wurde dieser Wunsch damit, dass sich englische Clubs nicht auf die jeweiligen Gegner einstellen, sondern schlicht und einfach die Taktik und den Fußball, den sie eingeübt haben, umzusetzen versuchen. Dagegen würden aber deutsche und italienische Mannschaften Maßnahmen für die jeweiligen Partien ergreifen. Kemal Belgin führt auf, dass wenn Fenerbahce Maßnahmen für Chelsea ergreift, sie sehr große Chancen haben, in die nächste Runde einzuziehen. Meiner Ansicht nach eine sehr einleuchtende Begründung.

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2 Kommentare

1. Beko schrieb am 19. March 2008 um 03:02

Es wird sicherlich keine leichte Partie für die beiden Traditionsklubs. Ohnehin ist jedes Spiel im Chmapionsleage kein leichtes Unterfangen. Von daher sind beide Mannschaften auf ein Sieg hinaus. Innerlich wünsche ich mir natürlich ein Sieg für Fenerbahce, obwohl ich ein Galatasaray-Fan bin. Aber; der Ball ist rund…

2. fener-styla schrieb am 22. March 2008 um 00:44

super Analyse, ResPekt

sicherlich wird es keine leichte Partie, aber wenn wir das Spiel in Istanbul qewinnen, dann denke ich wird es für die nächste Runde reichen!
Die Partie wird nicht so torreich sein, wie die Sevilla Spiele denke ich mal und falls wir Chelsea ohne einen Tor nach England schicken dann sind wir weiter!!
Das einzige worauf ich vertraue sind die Fans und natürlich an die Spieler..

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