11. April 2008

Gastbeitrag: FC Bayern besteht UEFA Cup „Krimi“ in Spanien

Fortuna war gnädig am Donnerstagabend im „Colosileum Alfonso Perez“. Es war ein unglaubliches Spiel mit unvorstellbar viel Glück für die Bayern. Bereits in der 1. Minute setzte Ribéry durch eine erfolgslose Großchance Zeichen. Die vierte Minute war dann entscheidend für den weiteren Spielfluss: Nationalstürmer Miroslav Klose lief auf den argentinischen Torhüter der Spanier „Pato“ Abbondanzieri zu doch kurz bevor er zum Schuss ansetzen konnte, wurde er brutal vom Mittelfeldass De La Red von hinten gefoult. Der Schiedsrichter zögert nicht lange und zückt die rote Karte. Bayern ist in Überzahl – und das ganz zu Beginn der Begegnung. Dennoch blieb die Partie weiter Spannend. Das kleine Stadion war zum zweiten Mal mit 17.000 Fans ausverkauft. Es herrscht eine atemberaubende Atmosphäre. Selbst der Spanische König Juan Carlos, der als „Fußballmuffel“ gilt, lässt sich dieses Ereignis nicht entgehen.

Bayern spielte weiterhin offensiv und vergab eine Chance nach der anderen – ein schlechtes Omen. In der 44. Minute wurden die Bayern dann erstmals bestraft. Cosmin Contra brachte seine Mannschaft in Führung. Der Name kommt ihnen bekannt vor? Kein Wunder. Contra erzielte auch vor einer Woche das 1:1 in München. Der Stürmer lief alleine ohne jegliche Unterstützung seiner Mitspieler in den Münchener Strafraum. Abwehrchef Lucio und Martin Demichelis stellten sich ihm in den Weg. Doch Contra ist trotz seiner 32 Jahre Lebenserfahrung schneller als seine Bayrischen Kollegen und schafft es sich an den beiden Abwehrspielern vorbei zu „tanken“. Skrupellos hämmert er den Ball in den Winkel. Keine Chance für Routiner Oliver Kahn. Nun stand es 1:0 für Getafe CF. Damit hatten wirklich nur die wenigstens gerechnet.

Nach der Halbzeit benötigen die Bayern einige Minuten um den Schock zu „verdauen“. Sie konnten die daraus resultierende Unkonzentriertheit, die zu mancher gefährlichen Situation im eigenen Strafraum führte, schnell ablegen, denn in den Augen der Spieler war deutlich der Wille zum Sieg zu erkennen. Die Bayern brauchten nur ein Tor um wenigstens die Partie in die Verlängerung zu ziehen und ggf. die Spanier dann in der Nachspielzeit zu schocken.

Ottmar Hitzfelds Star-Ensemble war auch in der zweiten Hälfte die dominierende Mannschaft. Nach unzähligen Chancen für die Spanier gelang es letztendlich Franck Ribéry in der 89. Minute nach einer Vorlage von Luca Toni der Ausgleich. Ein Lebenskuss für die Deutschen.

Die Verlängerung beginnt. Jeder war guter Dinge, sowohl Anhänger der Bayern, als auch die Spanier. Doch dann geschah das Undenkbare: Casquero brachte direkt in der 91. Minute die Spanier wieder in Führung. Wieder benötigten die Bayern Zeit um den Schock des Gegentreffers überwinden zu können. Getafe nutzte diese Gelegenheit und erhöhte in der 93 Minute auf 3:1. Das war’s dann wohl…

Doch die Münchener gaben sich damit nicht zufrieden. Die Belohnung für ihren Kampfgeist erhielten sie dann in der 115. Minute durch einen Abstauber Tonis, als Getafe-Keeper „Pato“ unglücklich den Ball verlor. Vielleicht doch noch?..

Die letzten Minuten der Partie waren nun angebrochen. Auch dieses Ergebnis hätte Getafe für den Einzug ins Halbfinale des UEFA Cups gereicht, was dazu führte, dass sie ihr Bestes gaben, um die Begegnung über die Zeit schaukeln zu lassen. Aber bei beiden Seiten stieg allmählich die Nervosität. Bayern München startete ein „Power Play“ auf das spanische Tor, wodurch die Defensive teilweise komplett vernachlässigt wurde und die Getafe-Profis die Bayern sehr gefährlich auskontern konnten. Dennoch hatten die Angriffe Bayerns nicht die geringste Form. „Ball nach vorn, Flanke, Kopfball“ hieß die vermeintliche Taktik der letzten fünf Minuten.

Da springt der Minutenanzeiger auf die 120. Der letzte Angriff der Bayern wird gestartet. Selbst Oliver Kahn hält es zwischen seinen Pfosten nicht mehr aus. Nach einer präzisen Flanke von Ernesto Sosa auf in den Strafraum, gelingt es Toni zum Ausgleichstreffer – 3:3. „Aus dem Nichts kam der Ball, instinktiv habe ich ihn eingenickt“, berichtete Toni. Ein unglaubliches Spiel. Die Münchener Profis stehen nun im Halbfinale des UEFA Cups gegen St. Petersburg. Ein äußerst ernst zu nehmender Gegner, der bereits eine Deutsche Mannschaft blamierend aus dem Pokal zu „kicken“ wusste. Doch nun wissen wir auch, dass die Bayern durch die Stärke ihrer Individualisten wie Toni oder Ribery jederzeit für einen Treffer geeignet sind - auch in der 120. Minute. Die Kehrseite der Medaille zeigt aber, dass die Münchener sich selbst gegen 10 Mann nur mit großen Schwierigkeiten durchsetzen konnten. Man muss die Sache eben immer aus zwei Blickwinkeln sehen…

Autor: F.S.

Tags: , ,

Verwandte Beiträge

Ein Kommentar

1. Beko schrieb am 14. April 2008 um 19:06

Ich habe das Spiel leider nicht sehen können, da ich unterwegs war. Die Spielbeschreibung ist aus meiner Sicht insoweit sehr informationsreich gewesen. ich möchte mich bei dem Autor deshalb bedanken.

Die Bayern scheinen wieder einmal mit viel Glück das Halbfinale erreicht zu haben. Sicherlich muss man sein Glück auch erkämpfen. Aber ein Mannschaftssieg scheint es diesmal nicht gewesen zu sein. F.S. weist zu recht auf die Individualleistungen einiger Spieler hin. Ich glaube hier müssen die Bayern ansetzten und aus ihren Fehlern lernen oder ihre Schwächen erkennen und ausbauen. Siege durch Individualleistungen sind ebenfalls Siege.

Ich hoffe, dass F.S. uns als Gastautor erhalten bleibt. Man hat nämlich nicht die Zeit sich alle Spiele anzusehen. Und Blogautoren haben meist vielmehr Lust am Schreiben als professionelle Journalisten, die an erster Stelle ihrem Beruf nachgehen. F.S. ist es gelungen dem Leser, neben den technischen Informationen auch die Emotionen eines Fans zu übermitteln. Vielen Dank!

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Abonnieren ohne Kommentarfunktion