Galatasaray wird im Pokal geschockt
Der 14-Malige Pokalsieger Galatasaray Istanbul musste beim Halbfinal-Rückspiel gegen Genclerbirligi eine kalte Dusche hinnehmen. Es gelang den Istanbulern in ihrem eigenen Stadion nicht, die 1:0 Pleite des Hinspiels wieder wett zu machen. Nach einem 1:1 Remis im Ali Sami Yen Stadion sind die Profis aus Ankara verdient ins Finale gezogen, wo sie gegen Kayserispor bzw. Caykur Rizespor antreten werden. Galatasarays volle Konzentration gehört somit dem Konkurrenzkampf um die Ligameisterschaft der laufenden Saison.
Eigentlich begann das Spiel für die Gastgeber recht gut. Die ersten 30 Minuten kam der eine Angriff nach dem anderen, keine dieser Chancen konnten aber verwertet werden. Man verwehrte dem Gegner aber auch jeglichen Zutritt zum eigenen Strafraum. Die danach folgenden 15 Minuten ließen die Jungs in Gelb-Rot zwar mit ihrer Offensive etwas nach, hatten die Partie dennoch unter Kontrolle.
In der zweiten Hälfte der Begegnung bekamen die Fans ein ganz anderes Galatasaray zu Gesichte. Natürlich mussten sie nach vorne spielen, um endlich ein Tor zu erzielen. Aber man hatte noch die Hälfte der Partie vor sich. War es schlau, alles so drastisch aufs Spiel zu setzen? Diese Risiken erreichten ihren Höhepunkt, als Okan Buruk für Servet Cetin das Spielfeld betrat. Mag sein, dass Abwehrass Servet eine Verletzung erlitt (so lautete die Feststellung des Kommentators), jedoch müsste dann anstelle Servets ein Gleichpositionierter Spieler auflaufen. Okan war und ist kein Mann der Abwehr. An dieser Stelle ist ein taktischer Fehler zu besichtigen, was zweifellos mit der mageren Besetzung des Trainerpostens in Verbindung steht. Ein so großer Club kann nicht von einem Konditionstrainer wochenlang geleitet werden – schon gar nicht, wenn sie um die Meisterschaft und um den Pokal kämpfen.
Dieser taktische Fehler wurde so langsam brandgefährlich. Die Gäste aus Ankara bekamen immer mehr Torchancen, die sie kläglich vergaben. Man konnte bereits vorahnen, dass sehr bald ein Führungstreffer von Genclerbirligi fallen würde. In der 76. Minute fiel der Treffer dann nach einem nicht ganz gelungenen Fallrückzieher von Tuna. Es waren aber noch ca. 15 Minuten zu spielen. Wenn man dann auch noch den Kampfgeist Münchens in Verbindung mit dem Glück dergleichen gegen Getafe setzt und dies vor Augen führt, so loderte in einem trotz allem ein Leuchtfeuer der Hoffnung auf.
In der 90. Minute fiel der Ausgleichstreffer mit Ümit Karan. Vier Minuten Nachspielzeit. 92. Minute: Der Unparteiische zeigt auf den Elfmeterpunkt – Torhüter Recep pariert. Abpfiff. Galatasaray raus, Genclerbirligi zu Recht im Finale.
So langsam kann der aufmerksame Beobachter die Nachteile der Trainerlosigkeit erkennen. Ein Glück nur, dass die Ligaspiele bisher ohne Verluste bestanden worden sind und man die Chance erhalten hat, die Fehler im Pokalspiel zu sehen. Denn ein Patzer in einem Ligaspiel wird nicht verziehen. Weiterhin bleibt zu hoffen, dass die restlichen vier Ligabegegnungen bestens überstanden werden. Eine Saison ohne gewonnenen Pokal wäre für Galatasaray die größte Enttäuschung.

Trackback
RSS Feed
3 Kommentare
1.
E. S. schrieb am 16. April 2008 um 10:18
Ich habe das Spiel nicht gesehen und finde es auch nicht sonderlich wichtig, ob Galatasaray den Pokal holt. Wichtiger ist die Liga und damit auch ein Platz in der nächsten Saison in der Champions League.
Zum Trainer: Feldkamp hätte auch nicht viel mehr hinbekommen, auch wenn ich seinen Fortgang bedauere. Der akutelle Trainer ist nun mal eine Notlösung. So kurz vor dem Ende der Meisterschaft dürfte auch ein neuer Trainer nicht viel reißen. Diese Saison also so gut wie möglich noch abschließen und alle Konzentration auf einen guten Trainer für die neue Saison. Ich wünsche mir Laudrup von Getafe!
2.
B. A. schrieb am 16. April 2008 um 14:14
Ich messe dem Pokal eigentlich schon eine hohe Bedeutung zu, da dieser eines von den zwei nationalen Turnieren ist. Entweder Liga oder Pokal eben. Bei einer verpassten Meisterschaft könnte man die Fans mit dem Pokal evtl in gewissen Maße beruhigen. Die Option hat man nun leider nicht mehr.
Feldkamp hätte speziell in diesem Spiel vieles besser gemacht als das derzeitige Gremium, das die Aufstellungen und die Spielerwechsel regelt. Die oben genannten Fehler, die zur Enttäuschung geführt haben, wären bei der Erfahrung Feldkkamps lächerlich.
Laudrup wäre eine sehr gute Lösung. An die Verwirklichung des Transfers glaube ich aber leider nicht. Als realistisch und zugleich als eine gute Lösng sehe ich die Verpflichtung von Lucescu oder Abdullah Avci an. Beide würden den Verein vorantreiben.
3.
E. S. schrieb am 16. April 2008 um 20:31
Ich will eben keine Beruhigung und dann eine halbe Nummer. Je größer die Enttäuschung, umso besser muss auch der Trainer und die Spieler sein, die man präsentiert