„Dieser Schiedsrichter muss zu einem Alkohol-Test einberufen werden“
Erneut traten heute Diskussionen über die bekanntlich zum Teil sehr schlechten Schiedsrichter der Türkei auf. Dieses Mal ist das Spektakel aber sehr interessant und hat eine ganz andere Dimension von Protesten angenommen. Es geht um die Partie „Genclerbirligi OFTAS Spor – Kaysersipor. Zunächst führten die Gastgeber das Spiel mit einem Treffer, ehe die Profis aus Kayseri den Ausgleich schafften und das Ergebnis bis zum Schlusspfiff zu halten wussten. Eigenarbeit oder mit Hilfe des angeblich unparteiischen Referee?
Den Reaktionen der Gastgeber zufolge ist die Antwort auf diese Frage klipp und klar. Ilhan Cavcav, Präsident von Genclerbirligi, sah nach der Partie sehr zornig aus: „Bitte beruft diesen Schiedsrichter zu einem Alkohol-Test ein. Eine Partie kann nur höchstens in diesem Maße zerstört werden. Genauso wie wenn man bei Fußballern eine Doping-Kontrolle macht, müsste man bei diesem Schiedsrichter auch eine Alkoholkontrolle durchziehen. Eine nüchterne Person kann unmöglich solch eine schlechte Leistung erbringen.“
Im Vergleich zu einer anderen Aktion des Clubs aus Ankara sind Cavcavs Aussagen sogar noch recht harmlos. Der Höhepunkt der Proteste wurde schon bereits während der laufenden Partie erlebt. Trainer Osman Özdemir konnte sich die katastrophale Spielleitung Taner Gizlencis nicht mehr länger mit ansehen und verließ das Stadion nach der 68. Minute und ließ die Leitung seinem Assistenten über.
Protestaktionen gegen solche Schiedsrichter sind eigentlich immer erwünscht, damit diese auch mal einsehen, inwieweit sie die Zukunft einiger Clubs beeinträchtigen können. Diese müssen jedoch in einem angemessenen Ton oder mit angemessenen Handlungen gezeigt werden. Die Haltung der Vereinsleitung aus Ankara ist im Grunde genommen sehr verständlich und nachvollziehbar, in dieser Form aber leider unangebracht. Falls Taner Gizlenci wirklich unparteiisch zu sein versuchte und nicht mit Absicht die Gäste bevorzugt hat, so wird er in Zukunft mit größter Unsicherheit seinen Job erledigen. Proteste in dieser Form bewirken lediglich, dass die Schiedsrichter an Selbstvertrauen verlieren. Hinzu kommt dann meistens, dass ihre Leistungen bei umstrittenen Sportshows wie „Maraton“ bis zu dem kleinsten Detail analysiert werden und sie aufgrund ihrer Fehler erbarmungslos verurteilt werden. Selbst vor dem Monitor können die Kommentatoren Maratons nur nach mindestens dreimaliger Wiederholung der Szenen den Fehler klar erkennen. Wie soll dann ein Referee eine Partie fehlerlos leiten, wenn er die Entscheidungen in Bruchteilen einer Sekunde fällen muss?
Solange die Clubs ihre Kritiken nicht auf angemessene Art und Weise zu Worte bringen und die Medien den umstrittenen Sportshows nicht endlich ein Ende setzen, wird sich an dem Selbstvertrauen und der daraus folgenden miserablen Leistung der türkischen Schiedsrichter nichts ändern. Leider.

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