08. June 2008

Portugal 2:0 Terim

Eigentlich gingen nur die Optimisten von einem Sieg der Türken aus. Realistisch gesehen könnte evtl. ein Remis drin sein, Portugal war aber der klare Favorit auf den Sieg. Diese Vorhersagen bestätigten sich am gestrigen Abend im zweiten Spiel der Gruppe A zwischen Portugal und der Türkei – zwischen Portugal und Fatih Terim. Um ehrlich zu sein war ich auf eine Niederlage vorbereitet. Ja ich ging sogar davon aus. Nach der Partie war ich dennoch enttäuscht und überrascht. Warum?

Man hatte eine Türkei erwartet, die um jeden Preis kämpft. Nicht umsonst war die Türkei das Land, das sich laut Kommentator am meisten auf dieses Turnier gefreut hatte. Vom berüchtigten türkischen Kampfgeist war aber nichts mehr zu erkennen. Selbst nach dem Führungstor der Portugiesen spielte die Türkei so lahm, als könnte man meinen, dass sie diejenigen gewesen sind, die in Führung waren. Es ist durchaus vorstellbar, dass die oben erwähnte Freude allein nach dem ersten Blick auf die Startelf Terims verflogen ist. Keiner konnte seine Auswahl so richtig nachvollziehen. Die Gefahren, die sich in dieser Aufstellung verbargen, spiegelten sich in der Angst der Türken wieder. Einige Minuten später dann auch auf dem Fernseher.

Fehler 1: Jungstar Arda Turan wurde von Tuncay auf die Bank verdrängt. Arda, der die komplette Saison wieder einmal für Aufsehen gesorgt hatte, in Topform ist und derjenige im Kader war, der mit seinen Dribblings und seiner exzellenten Technik der portugiesischen Abwehr hätte Angst machen können. Der einzige Spieler, der sich in den Strafraum kämpfen könnte. Stattdessen wurde Tuncay eingesetzt. Wenn man sich seine gestrige Leistung ansieht, bedarf es an dieser Stelle keiner Erklärung mehr. Er trifft nicht einmal den Ball, läuft seinem eigenen Mitspieler über den Weg, hat enorme Probleme bei der Ballkontrolle. In den nächsten Spielen muss er weg vom Fenster.

Fehler 2: Auch die Abwehr verbirgt große Defizite in sich. Gökhan Zan hat sich erst neulich von seiner Verletzung erholt. Er hat keine Spielpraxis und ist dementsprechend auch nicht fit für ein solch großes Turnier. Stattdessen müsste Emre Güngör seinen Platz in der Startelf finden. Er hatte eine hervorragende Saison mit Galatasaray SK verbracht und ist durch seine ausgezeichnete Leistung auch nominiert worden. Und siehe da: Zan verletzt sich und muss ausgewechselt werden. Das sorgt dafür, dass Terim in der Schlussphase der Partie nicht mehr richtig in das Spiel eingreifen kann, weil er nur noch einmal auswechseln darf. Für Zan kommt dann Emre Asik rein, der einer der Hauptakteure bei beiden Toren ist. Herr Terim, wo lassen Sie denken?

Fehler 3: Terim überschätzt seine Mannschaft enorm. Aussagen wie „Die Angst vor einer Partie überlasse ich unseren Gegnern“ sind vor allem gegen eine solch fußballstarke Nation fehl am Platze. Diese Arroganz wird dadurch gekrönt, dass er mit nahezu drei Stürmern aufläuft: Mevlüt Erdinc, Nihat Kahveci und zum Teil auch Tuncay Sanli. Das ist so wie wenn man absichtlich gegen eine Laterne läuft. Da musste etwas schief laufen.

Fehler 4: Hamit Altintop wird in der 75. Minute ausgewechselt, stattdessen kommt Semih Sentürk ins Spiel. Und die Fankulisse fragt: Warum ist Tuncay immer noch auf dem Platz? Altintop spielt zwar in der Defensive, war aber einer derjenigen, der zu diesem Zeitpunkt mit Kazim zusammen die effektivsten Offensivbemühungen zu verzeichnen hatte. Der rechte Flügel der Türken ließ ein Funken der Hoffnung auflodern. Terim aber lies auch diesen Funken in der Dunkelheit untergehen. Wenn er im Nachhinein die Partie analysiert, sollte er mal auf die Anzahl der Ballkontakte Semihs achten. Sie scheint mir zu niedrig ausgefallen zu sein.

Positiv überrascht war ich von Colin Kazim Richards, der nach dem Rückstand für kleine Wunder auf seiner Position sorgte, sowie von Herbert Fandel, der eine fehlerlose Partie geleitet hat.

Nun können die Türken darauf hoffen, dass Portugal auch in seinen restlichen Spielen, vor allem gegen Tschechien, die drei Punkte auf sein Konto holt. Somit wären den Türken die Tore für die nächste Runde offen, falls sie sich gegen Tschechien und gegen die Schweiz durchsetzen können. Und falls Fatih Terim es wieder auf den rechten Pfad schafft und die Türken mit ihrer eigentlichen Kraft auflaufen lässt – nicht mit einer Terim-Mannschaft, in der weit und breit kein Sinn wahrzunehmen ist.

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3 Kommentare

1. E. S. schrieb am 08. June 2008 um 20:18

Fehler 5: Terim sollte endlich mal aufhören, seinen Zieh- und Schwiegersohn Emre so zu bevorteilen. Emre war nicht der schlechteste auf dem Platz, ja sogar einer der stärkeren. Für einen Spielmacher aber viel zu wenig. Den Ball an den nächsten Mitspieler zu passen, ist nicht das Spiel, was man von einem Regiseur erwartet. Seine Pässe hatten nicht einmal das Prädikat “Mittelmaß”, was die Gefährlichkeit anbelangt. Alternativen? Die wurden von Terim nicht nominiert! So halten sich auch die Hoffnungen auf die nächsten Spiele in Grenzen.

2. fenster-infos » Blog Archive » Re: wenn die FDP das macht ist sie weg vom Fenster - Reggae für Deutschland schrieb am 09. June 2008 um 02:07

[...] glaubwürdig. > Wie denn auch. Sie koalierten mit der CDU unter Kohl. In der Zeit > hatten sich die grünen etabliert und ich denke die FDP hat sich > seitdem nicht weiter verändert. Sie haben den Nachteil [...]

3. Beko schrieb am 10. June 2008 um 00:25

Auch ich hatte gehofft, dass die türkische Nationalmannschaft trotz Terim einen einigermaßen leidenschaftlichen Fußball spielt. Terim hat es jedoch geschaftt, jeden Hoffnungsfunken “rechtzeitig” zu löschen. Seine Personalentscheidungen lassen zu wünschen übrig.

Die türkische Elf wird es deshalb schwer haben bei diesem Turnier. Die gegnerischen Mannschaften können sich auf Terim verlassen!

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