Deutschland köpft Polen
Was wurde nicht vor dem Spiel über die Aufstellung von Trainer Jogi Löw diskutiert. Fritz und Schweinsteiger? Oder doch Podolski und Schweinsteiger? Am Ende wurden es Fritz und Podolski. Nachdem dieses „Vorspiel“ abgehandelt war, wurde es dann ernst. Zum ersten Mal ertönten die Nationalhymnen Deutschlands und Polens. Pünktlich um 20.45 Uhr ertönte dann endlich der Anpfiff zur Euro für die DFB-Elf aus der Pfeife des norwegischen Schiedsrichters Tom Henning Övrebö.
40 Sekunden waren gerade einmal gespielt und schon musste Jogi Löw dann zum ersten Mal tief durchatmen. Nach einer Flanke kam Jens Lehmann entschlossen aus seinem Gehäuse, wurde aber am Elfmeterpunkt von Per Mertesacker behindert. Das Leder landete schließlich bei Jacek Krzynowek, der aber das leere Tor klar verfehlte. Dennoch: In den ersten Minuten wirkten die Deutschen nervös und unsortiert. Das sollte sich schnell ändern, denn die Polen witterten Morgenluft!
In der vierten Minute musste dann aber das Tor auf der Gegenseite fallen. Klasse von Michael Ballack eingesetzt marschierte Miroslav Klose frei auf das Gehäuse von Boruc zu. Uneigennützig legte er quer zu Mario Gomez, der aber im Grätschen das leere Tor um zwei, drei Zentimeter verfehlte. Die Ersatzspieler auf der Bank waren bereits aufgesprungen, die Fans standen Kopf. Aber sie sahen auch in den folgenden Minuten ein schnelles und sehr unterhaltsames Duell zweier gleichwertiger Mannschaften in der Anfangsphase. Die zahlreicher vertretenen Fans der Polen feierten bereits nach zehn Minuten ihr Team, sangen: „Auf Wiedersehen, Deutschland. Auf Wiedersehen.“ Die Berechtigung dieser Gesänge gab es vor allem von der Abwehrreihe der Deutschen. Immer wieder standen sie zu weit von den Gegenspielern fest, immer wieder kamen diese deshalb frei im Strafraum an den Ball.
Dass die Löw-Spieler aber auch aus dem Spiel heraus gefährlich sind, zeigten sie in der 20. Minute. Da nämlich fiel das erste DFB-Tor im Turnier: Großartig wie Gomez mit dem Außenriss in die Gasse zu Klose spielte. Dieser ging erneut frei aufs Tor, legte erneut ab, dieses Mal aber erfolgreich. Lukas Podolski, zum linken Mittelfeldspieler umfunktioniert, schob ins leere Tor ein. Eiskalt, effizient, klasse – die Schlagwörter für dieses Tor waren klar definiert, wenn auch Klose beim Anspiel durch Gomez um Zentimeter im Abseits stand. Kurios: Sowohl der Torschütze, als auch der Vorlagengeber sind in Polen geboren. Dass nicht noch mehr Tore fielen in den folgenden Minuten lag an Lehmann, der klasse gegen Lobodzinskis hielt (28.) und Klose der im Gegenzug einen Schritt zu spät kam, damit an Boruc scheiterte.
Allerdings lebte das Spiel nach einer Stunde von seiner Spannung. Die erste Torchance hatte schließlich der neue Mann Bastian Schweinsteiger, der aus der zweiten Reihe abzog. Boruc war aber schnell am Boden, hielt den viel kritisierten „Flatterball“ sicher fest (66.). Noch genialer hielt er drei Minuten später. Frings hatte Lahm außen in Szene gesetzt, dieser legte auf den nachrückenden Ballack auf. Aber den Schuss des deutschen Kapitäns konnte Boruc sensationell über die Latte lenken. Das war der beste Angriff der DFB-Auswahl seit dem Tor.
Der war es sicher! Denn in der 72. Minute erhöhte wiederum Lukas Podolski auf 2:0.
Am Donnerstag kommt es dann zum Duell gegen den Zweiten, gegen Kroatien. Gewinnen die Deutschen dann, bei einem Remis von Österreich gegen Polen, wären die „Adlerträger“ schon sicher weiter! Aber bis dahin ist es noch eine steiniger Weg…
Autor: Patrick Hantsch

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7 Kommentare
1.
Pole schrieb am 09. June 2008 um 22:06
Ich halte Podolski für einen der meist überschätzten Spieler in Deutschland sowie auch für nicht sonderlich charakterstark. Wie er sich aber nach seinen Toren verhalten hat, war vorbildlich. Meine Meinung zu ihm hat sich jedenfalls zum positiven gewändet.
2.
E. S. schrieb am 09. June 2008 um 22:19
Der Titel ist hart aber angesichts der polnischen Presseberichterstattung passend gewählt.
3.
Burak Altas schrieb am 09. June 2008 um 22:43
Podolski hat aber gestern ein wirklich überragendes Spiel an den Tag gelegt. Ein Pflichttor + ein schönes Tor - das brachte den Deutschen durch Podolski den Sieg.
Was den Titel angeht: Ich glaube, die polnische Presse darf froh sein, dass der Autor nicht ein solch ähnliches Bild zusammengeschnitten hat, wie man es in den polnischen Pressen zu sehen bekam…
4.
Ben schrieb am 12. June 2008 um 14:58
Überschätzt ist er auf alle Fälle, wenn es in einem Spiel mal richtig ernst wird (also nicht gegen so eine Mannschaft wie Polen), dann wird er wieder viel zu oft volley auf alle möglichen Bälle draufhauen, anstatt einmal nur quer zu legen zum völlig freien Mann.
Das ganze Gerede um sein Verhalten nach den 2 Toren geht mir auch sowas von auf den … - Ist er nun Deutscher oder nicht ? Also, bitte ! Dann kann man sich auch freuen nach einem Tor in der EM. Diese ganze Pseudo-Respekt-vor-der-Heimat-Gelabere ist sowas von unerträglich…
5.
Ben schrieb am 12. June 2008 um 15:01
Nachtrag:
Und einer der hellsten Sterne am Firmament ist er ja nun auch wieder nicht… - Interviews mit Podolski könnte auch ein trainierter Schimpanse geben.
“ja gut, wir müssen jetzt nach weiter nach vorne schauen…”
hui, welch information
6.
Wali schrieb am 12. June 2008 um 17:08
Also erst einmal solltest du die Beleidigungen Podolski gegenüber sein lassen…immerhin ist er in Polen geboren und erst später hierher Eingewandert. Dass er oftmals nicht den besten Eindruck abgibt, stimmt schon, aber es ist auch nicht fair, wie sich so viele Menschen auf gerade diesen Spieler eingeschossen haben.
Zu seiner Aktion nach dem Tor…Ich denke, mit deiner Meinung stehst du nicht nur hier ziemlich alleine da. Er hat polnische Wurzeln und diese Gäste ist meiner Meinung nach zu respektieren und sehr vorbildlich. Wenn man das Gefühl nicht kennt, sollte auch hier vielleicht ein solch extremer Kommentar vermieden werden.
Allerdings muss ich deinem ersten Punkt zustimmen. Er ist mit Sicherheit einer der Spieler, die in Deutschland am meisten überschätzt werden. Klose’s Aussage auf der Pressekonferenz, Podolski wäre “besser als Ronaldo” (wir sprechen hier nicht vom pummeligen Brasilianer, sondern vom Portugiesen), fand ich äußerst schmunzelhaft. Er hat ohne Fragen Potenzial und kann mit seinem zielsicheren Linksschuss noch dahin kommen, wo ihn viele sehen, allerdings ist er davon noch einige Jahre entfernt.
7.
Burak Altas schrieb am 13. June 2008 um 16:31
Naja, was seinen Respekt zu seinen Wurzeln angeht, kann ich Poldi nur loben. Das ist doch mehr als nur normal. Versetzt euch doch mal in Poldi: Seine Familie ist polnisch, seine Frau ist polnisch, seine Kinder sind polnisch, er ist polnisch aufgewachsen. Wie soll er sich denn dann freuen?
Das gleiche Verhalten war auch im Spiel Schweiz-Türkei zu beobachten, als Hakan Yakin das 1:0 für die Gastgeber erzielt hat. Auch er freute sich nicht. Weiter so!