Goliath trägt Orange – Italien verpatzt EM-Auftakt in Bern
Am Montagabend ereignete sich für so manchen Fußballfan ein außergewöhnliches Ereignis im ausverkauften Stade de Suisse. Italien gegen Niederlande hieß es und der frischgebackene Weltmeister von 2006 galt als Favorit. Das Spiel begann wie vermutet, es war sehr taktikgeprägt. Die Italiener verließen sich zu Beginn auf ihre starke Defensive. Namen wie Luca Toni, Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso sollten für den Torerfolg sorgen. Auch die Niederländer begannen stark. Bei ihnen war Ruud van Nistelrooy für die Tore zuständig, unterstützt vom Hamburger Rafael van der Vaart.
Ich war sehr über das Tempo und die Ballsicherheit der Niederländer erstaunt. Doch schon in der 12. Minute vergab Toni eine Kopfballchance, wobei er vorher auf seinen Kollegen Di Natale hätte ablegen müssen. Mit schnellen Kombinationen machten die Niederländer es Zambrotta, Materazzi und Co schwer. In der 26. Minute war es dann Zeit für das erste Tor. Nach einer Standartsituation fällt der Ball glücklich auf Wesley Sneijder, welcher den Ball einfach Richtung Buffon hämmert. Auf der Reise zu Buffon trifft er auf Ruud van Nistelrooys Fuß, der ihn dann ins Tor befördert: 1:0 für die Niederländer. Nach einer Großchance für Italien, die van Bronckhorst auf der Linie klärte, setzten die Niederländer einen Konter an. Mit einem präzisen Seitenwechsel auf Kuyt war die aufgerückte italienische Defensive geschlagen. Kuyt verlängerte grandios auf Sneijder, der den Ball in den Winkel zimmerte. Für mich war Sneijder einer der besten Niederländischen Spieler auf dem Platz.
Nach drei, vier guten Chancen für Toni und Pirlo konterten die Niederländer die Italiener gnadenlos aus. Italien setzte alles auf eine Karte und versuchte mit aller Kraft den Anschlusstreffer zu erzielen. Dies nutzten die niederländischen Profis aus und in der 79. Minute erhöhte van Bronckhorst den Spielstand auf 3:0. Ein Desaster aus italienischer Sicht. In dem Vertrag von R. Donadoni, dem italienischen Trainer, steht, dass er nur weiter Trainer blieibe, wenn er das Halbfinale erreicht. Mit diesem Spiel hat er sich nicht gerade ausgezeichnet. Über Nacht haben sich die Niederlande in eine Favoritenrolle gespielt. Berechtigt. Ich habe selten eine so passsichere und qualitativ hoch spielende niederländische Mannschaft gesehen. Aber man sollte auch die Bemühungen der Italiener loben. An kämpferischer Leistung hat es bei ihnen nicht gemangelt, jedoch konnten die „Stars“ wie Gattuso, Pirlo und Toni nicht überzeugen. Vor allem Bayern-Profi Luca Toni hatte einen sehr schlechten Tag, sodass ihn manch einer spielerisch nicht erkannt hätte.
Kurz und knapp gesagt: Die Italiener müssen noch an sich arbeiten – viel Zeit bleibt ihnen dafür aber nicht mehr übrig. Fußball besteht nicht nur aus harter Defensive. Und selbst an dieser Stelle waren bei den Italienern große Defizite zu sehen, was vermutlich auch mit dem Ausfall Cannavaros in Verbindung gebracht werden kann. Ein Aus des amtierenden Weltmeisters in der Gruppenphase wäre jedenfalls ein schockierendes Ereignis.
Autor: Florian Schmitz

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