11. June 2008

Griechenland vs. Schweden – Ein Trauerspiel, das keinen Sieger verdiente

Es waren nur 90 Minuten, jedoch vermochten sie ein ganzes Land in Schock zu versetzen und einen fast schon als Gott angesehenen Nationalhelden in große Bedrängnis zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt war passiert, was viele Experten und Fußballfreunde bereits befürchtet hatten, jedoch in einer Art und Weise, die nicht nur den Tausenden Griechenland-Fans im Stadion Sorgen bereiten wird. Während schwedisch,e Anhänger ihre Mannschaft noch minutenlang bejubelten und stolz ihre Nationalhymne sangen, verließen die Griechen in Scharen leise das Stadion – bewusst darüber, was man wenige Stunden später über ihr Team in den Zeitungen lesen würde.

Was war passiert? Es war ein Aufeinandertreffen zweier heimlicher Titelfavoriten, die mit einem Sieg den Grundstein für einen Einzug ins Viertelfinale legen wollten. Mit diesen Ambitionen marschierten sie um 20:40 Uhr hinter Schiedsrichter Massimo Busacca aus der Schweiz unter tosendem Applaus der 31.000 Zuschauer ins Stadion und brachten die routinemäßige „Zeremonie“ hinter sich, welche das Singen der Nationalhymnen, das Posieren vor den Pressefotografen, einen Münzwurf zur Bestimmung der Platzwahl und letztendlich das gegenseitige Versprechen eines fairen Spiels beinhaltet. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass letzteres wohl kaum nötig gewesen wäre.

Das Spiel begann mit einem harten Foul Charisteas, der bereits nach 90 Sekunden Gelb sah, was gleichzeitig die einzige Unsportlichkeit dieser Art in der ersten Halbzeit war. Eben jener Spieler war es auch, der in Minute sieben mit einem Solo drei Schweden düpierte, jedoch an seiner fehlenden Zielgenauigkeit scheiterte. Man kann darüber streiten, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn, ja wenn er getroffen hätte, denn in der Folgezeit boten beide Mannschaften eine schaurige Leistung, die weder einem Team wie Schweden noch dem Europameister unter der Führung von ”Rehakles” gerecht wurde. Es war ein gegenseitiges Abtasten und taktisches Vorgehen, das jeden Rahmen sprengte und keinen Spielraum für Kreativität und Spielspaß zuließ. Es bleibt unerklärlich, wie zwei hochkarätige Mannschaften wie diese sich bei Ballbesitz in der eigenen Hälfte den Ball zuschieben und dem Zuschauer das Gefühl geben, Angst voreinander zu haben. Das alles wohlgemerkt unter dem Aspekt, „modernen Fußball“ spielen zu wollen. Abgesehen von einer Kopfballchance Ibrahimovics in der 33. Minute traten beide nach Abpfiff der ersten Halbzeit ohne weitere Möglichkeiten den Weg in Richtung Kabinen an – begleitet mit einem gellenden Pfeifkonzert aller 31.000 Zuschauer.

Eine Viertelstunde später war es dann nicht mehr die atemberaubende und einmalige Atmosphäre, die die Spieler beim Einlauf beschäftigte, sondern vielmehr die dunklen und bedrohlich über dem Stadion hängenden Gewitterwolken. Unter dem von der Sonne rötlich gefärbten Salzburger Abendhimmel hatte in der 49. Minute Wilhelmsson nach dem ersten gelungenen Kombinationsspiel der Partie die Chance zur (unverdienten) Führung, vergab sie allerdings durch einen Lupfer. Wer jetzt denkt, die zweite Halbzeit hätte ein höheres Niveau gehabt, der hat nur bedingt Recht. So war es symbolisch für das Spiel, dass individuelle Klasse bzw. Dummheit das Spiel entschied. Als in der 66. Minute Hansson noch fast ins eigene Tor köpfte, brachte Ibrahimovic im Gegenzug den Ball mit Vollspann im Winkel unter und bewies, warum er ab der Saison 2008/2009 weltweit der Fußballer mit dem am höchsten dotierten Gehalt sein wird. Gleich fünf Minuten später kassierten die blau-weißen Europameister ihr zweites Gegentor durch eine unglücklich und zum Teil auch unklug agierende griechische Abwehr, die sich zu dritt nicht darauf einigen konnte, wie man die von oben nahende Bogenlampe aus dem Strafraum befördern sollte. So können sie sich auf der einen Seite glücklich schätzen, dass der herannahende Hansson diese Aufgabe für sie übernahm, jedoch hätte man vorher vielleicht bedenken sollen, dass jener ein Gegner war und somit den Ball im Tor unterbrachte. Umso schockierender war es, dass Griechenland in den verbleibenden achtzehn Minuten plus Nachspielzeit keinen vernünftigen Angriff vor das schwedische Tor tragen konnte und somit als Verlierer vom Platz ging.

Um eines klar zu stellen: Dieses Spiel verdiente keinen Sieger, nein, ganz im Gegenteil. Wenn man beide Mannschaften nach der Leistung beurteilen müsste, dürfte keins auch nur mit einem Punkt in Spieltag Nummer zwei einziehen. Alleine die Klasse eines Spielers stürzt nun Griechenland in ein großes Dilemma, denn die spielstarken Spanier haben ab dem gestrigen Tag nicht zum ersten Mal bewiesen, dass sie reif für den Titel sind. So bleibt abzuwarten, wie beide Mannschaften nach solch einer Leistung im weiteren Verlauf des Turniers agieren werden und ob das taktische und vorsichtige Spiel der Teams mehr Erfolg hat. Jedoch steht jetzt schon ein Verlierer dieser Spielweise fest: die Fans.

Autor: Habibi

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2 Kommentare

1. Paule schrieb am 11. June 2008 um 23:44

Also Leute, ich muss euch hier mal einen ganz großen Lob aussprechen. Bin zufällig über Google auf euere Seite gestoßen und schaue immer wieder gerne vorbei. Eure Berichte sind einmalig. Die üblichen Medien kennen wir. Hier ist auch Herz drin. Weiter so!

2. Burak Altas schrieb am 12. June 2008 um 14:30

Vielen Dank Paule, Lob tut immer gut. So etwas motiviert einen auch immer weiter zu schreiben. Solange ihr Leser und wir Autoren zufrieden mit der Sache sind, ist doch alles gut :)

Wir erwarte dich jedenfalls öfters mal hier, lass uns deine Präsens mit Kommentaren spüren ;)

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