11. June 2008

Spanien glanzvoll – Russland unglücklich

Und auch die Gruppe D hat am gestrigen Abend ihre Mannschaften präsentiert. Gruppenfavorit Spanien traf bei der ersten Partie des Tages auf die immer besser werdenden Russen, denen man in diesem Turnier durchaus die eine oder andere Überraschung zutraut. Mit Zenit St. Petersburg, der amtierende UEFA-Cup Sieger, und ZSKA Moskau, die man jedes Jahr im internationalen Geschäft erleben darf, hat der russische Fußball einen Aufschwung erlebt, dessen Auswirkungen natürlich auch in der Nationalmannschaft zu erkennen sind. Dass sie vom Meistertrainer Guus Hiddink trainiert werden, setzt da noch einen drauf. Spanien hingegen konnte in den vergangenen Turnieren wie zum Beispiel der WM 2006 keinen überzeugen. Und nun stand Trainer Aragones auch noch aufgrund seiner Kaderwahl in der Kritik: Er nahm den Rekordtorschützen Ràul von Real Madrid nicht mit nach Österreich bzw. in die Schweiz.

Nach dem Anpfiff schien das Spiel eigentlich recht ausgeglichen zu sein. Das Tempo war auf einem enorm hohen Niveau, beide Teams konnten effektive Angriffe entwickeln. Das russische Mittelfeld, übersät mit genialen Taktikern, versuchte immer wieder den durch den Ausfall Arshavins zum Einsatz gekommenen Pavylutschenko mit Pässen zu versehen. Gelegentlich gab es auch mal Distanzschüsse oder sehenswerte Kombinationen. Nur kein Tor. So ähnlich sah es bei den Spaniern auch aus, lediglich mit einem kleinen Unterschied: Sie wussten es, ihre Chancen zu verwerten.

Nach der Partie war allen klar: Aragones Entscheidung, Ràul zu Hause zu lassen, war goldrichtig. Stattdessen durfte David Villa, unerstützt von „Babyface“ Torres, auflaufen. Mit seinem Hattrick und seiner sonstigen Leistung, vor allem seiner Laufbereitschaft und seinen Kombinationen, wurde Villa zum Star des Tages. Eines ist aber keinesfalls zu vergessen: David Villa konnte lediglich mit der Hilfe seiner Mannschaftskameraden derartig aufglänzen. Ohne die unglaublich präzisen Pässe Iniestas, ohne des unermüdlichen Silvas oder des stets kämpfenden Sennas wäre ihm wohl nur die wenigsten seiner Glanzszenen gelungen. Spanien war gestern als komplette Mannschaft sehr stark und kaum aufzuhalten.

Warum ich die Russen als unglücklich einstufe? Man kann in keiner Minute von ihnen behaupten, dass sie sich geschlagen gegeben haben. Stets waren sie bemüht sich wieder ins Spiel einzufinden, sie machten Druck auf die Spanier, suchten nach Toren, überzeugten mit ihrem Kampfgeist. Die Tore, die sie kassiert haben, waren zum größten Teil nach gefährlichen Eigenangriffen – also Kontertore. Erst waren sie diejenigen, die kurz vor der Führung standen, und wenige Sekunden später ging der Zähler auf das spanische Konto. So etwas nennt man Pech. Nach dem Kopfballtreffer Pavylutschenkos, dem 3:1, sah es sogar ganz danach aus, als hätten die Russen gute Chancen auf ein Unentschieden. Mit den Chancen, die sie in den nächsten zehn Minuten nicht verwertet haben, hätten sie zweifellos für eine Sensation gesorgt. An dieser Stelle hat man wohl sehr stark den Ausfall des Starstürmers Arshavin gespürt.

Das Ergebnis ist im Endeffekt um einen Treffer zu hoch ausgefallen. Das vierte Tor durch Fabregas war gegen ein solches Russland doch recht unverdient und hätte eigentlich nicht sein müssen. Den Russen muss man aber noch mit auf den Weg geben, dass sie dringend an ihrer Abwehr arbeiten sollten. Mit einer solchen Defensive kommen sie nicht weit.

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