Deutschland wird auf den Boden der Realität gezerrt
Noch ein Favorit enttäuscht seine Fans: Deutschland, für viele Experten eine der größten Fußballnationen und mit Portugal und Frankreich zusammen der größte Anwärter auf den EM-Titel, legte gegen England-Bezwinger Kroatien eine grottenschlechte Leistung an den Tag und lies das Lande in Momenten der Trauer versinken. Die Zuschauer durften mit Ballacks Fehlpässen, Kloses Abwesendheit oder Gomez Planlosigkeit ein für die Deutschen grauenhaftes Spiel mit ansehen. Das gesamte Team war dermaßen enttäuschend, dass viele diese Tragödie nicht länger ertragen konnten und ab einem bestimmten Zeitpunkt wegschalteten. Dagegen hinterließen die Kroaten einen sehr starken Eindruck und verfestigten ihre Stellung als Geheimfavoriten. Dass der gestrige Sieg gegen die „Panzer“ verdient war, ist wohl unumstritten.
Die Partie begann mit gegenseitigem „abtasten“, die Teams legten sozusagen in der Anfangsphase nicht viel Wert auf die Offensive, sondern versuchten vielmehr sich in dem Spiel zu orientieren und den Gegner zu knacken. Ein sicherer, passreicher Anfang, dem man ansehen konnte, dass es eine Wende gut ertragen könnte. Dies geschah dann jedoch nur einseitig: Die Kroaten machten immer mehr Druck, gingen auf den Gegner zu, ließen ihn nicht spielen, wurden in ihren Kombinationsversuchen immer erfolgreicher und drängten die Deutschen dann letztendlich auch zu ihrem ersten Fehler: In der 23. Minute konnte Darijo Srna nach einer in aller Ruhe ausgeführten Flanke von Pranjic den Ball an Lehmann vorbeischießen. Die Deutsche Abwehr von A bis Z orientierungslos. Jansen viel zu spät am Mann, der Treffer die Bestrafung dafür.
Auch nach dem Tor gaben sich die Kroaten mit ihrer Führung nicht zufrieden, wogegen sich die Deutschen immer noch nicht einkriegen konnten. Die gesamte erste Hälfte lang waren Gefahren am deutschen Strafraum zu spüren, konnten aber nicht verwertet werden. Halbzeitstand: 1:0.
Im zweiten Durchgang sah man dann der Elf Joachim Löws deutlich an, dass sie den Willen hatte, an diesem Ergebnis noch etwas zu ändern. Es waren Bemühungen in Richtung Pletikosa und sein Gestell zu erkennen, die aber kein System beinhalteten und deshalb auch nicht zum Erfolg führten. Ivica Olic traf dann nach einem Fehler Lehmanns zum 2:0 und ließ Zweifel an Löws Vertrauen in Lehmann aufkommen: Wären Renè Adler oder Enke nicht doch die bessere Wahl gewesen?
Am deutschen Fußball muss ich loben, dass die Spieler stets über die Dauer einer Partie bewusst sind. Selbst nach solch einem Rückstand und einer nicht gerade befriedigenden Leistung haben sie im Sinn, die Partie doch noch zu drehen. So gesehen kommt Podolskis Anschlusstreffer in der 78. Minute nicht sonderlich überraschend. Dass es dann zum Ausgleich nicht mehr gereicht hat, lag wohl an den fehlenden Nerven: In der 91. Spielminute bekam Bastian Schweinsteiger nach einem unnötigen Schubser im ballosen Raum den roten Karton zu sehen und musste frühzeitig in die Kabine.
Mit diesem Sieg hat sich Kroatien einen mächtigen Vorteil im Kampf um den ersten Tabellenplatz erkämpft und gilt nun auch so gut wie 100% sicher als Viertelfinalist. Dagegen müssen die Deutschen im letzten Gruppenspiel gegen Österreich zittern, die ebenfalls noch Chancen auf den Einzug in die nächste Runde haben. Einen Vorteil haben aber nun Ballack und Co. im Gegensatz zur letzten Partie: Sie wissen, dass ihnen die Überheblichkeit wichtige Punkte stehlen kann.

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Ein Kommentar
1.
nachgehakt schrieb am 14. June 2008 um 14:35
Dinge die niemand braucht aber alle haben wollen…
[...] In Sachen EM hat es unsere Manschaft wirklich verbockt. Ich hoffe so sehr [...]…