Österreich erreicht das vorzeitige Finale in Wien
Nach einer überzeugenden und wie im Spiel zuvor kämpferischen Leistung haben die Österreicher, wenn auch mit viel Glück, die Chance auf das Viertelfinale gewahrt. Wie von vielen Fußballfreunden befürchtet, kommt es nun am 16. Juni zur alles entscheidenden Partie Deutschland gegen Österreich. Nicht nur rein faktisch spielt diese Begegnung eine wichtige Rolle, denn jeder Kenner dieses Sportes kann sich nur zu gut an die Bilder der WM 1978 erinnern, als die ausgeschiedenen Österreicher den amtierenden Weltmeister um Kapitän Berti Vogts mit einem 3:2 im letzten Vorrundenspiel aus dem Turnier warfen.
Als kleine Fußballnation abgeschrieben haben die Ösis nach der Begegnung gestern Abend nun dennoch die Chance, das Wunder aus der Vergangenheit zu wiederholen und den Deutschen die Tour zu vermiesen. Trotz einer chancenreichen ersten Halbzeit waren die rot-weißen nicht in der Lage, den polnischen Torwart Artur Boruc zu bezwingen. In Minute 31 dann schien es nurnoch eine Frage der Zeit, wann das Tor fallen würde und es passierte schließlich, allerdings auf der „falschen“ Seite. Entgegen des Spielgeschehens trafen die Polen wie aus dem nichts: Nach einer Flanke versucht Saganowski aus spitzem Winkel zu vollenden, jedoch erreicht der Ball als Abpraller die Füße von Guerreiro. Dieser hat keine Probleme mehr und versenkt den Ball aus vier Metern unter dem Jubel der 10.000 polnischen Fans, während die heimischen wie gelähmt wirken. Hinzu kommt, dass das Tor aus einer klaren Abseitsposition erzielt wurde und der Linienrichter, statt der Abseitslinie zu folgen, an der Eckfahne stehen geblieben war und so das Unheil verursachte. Eine ganz schwache Leistung! Infolge dieses Tores schafften die Österreicher keinen nennenswerten Angriff mehr und nachdem auch Krzynowek mit einigen Weitschüssen bewiesen hatte, dass seine Zielgenauigkeit einiges zu wünschen übrig lässt, gingen beide Teams in die Kabinen.
Die zweite Halbzeit begann so, wie die erste aufgehört hatte. Kleine Torchancen auf beiden Seiten, aber die Partie lebte hauptsächlich von der Spannung und dessen, was auf dem Spiel stand. Der Gipfel der Ungerechtigkeit war erreicht, als Schiedsrichter Howard Webb den Hausherren einen Elfmeter vorenthielt und somit auch den Zorn der Fans auf sich lenkte. Als in der 92. Minute die ersten bereits das Stadion verließen, passierte, was schon längst hätte passieren müssen. Nach einem eher harmlosen klammern Lewandowskis fällt Prödl zu Boden und holt einen Elfmeter für seine Mannschaft raus. Auch hier sah Webb alles andere als gut aus, jedoch kann man insgesamt von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Ivica Vastic souverän und lässt das Land noch weitere vier Tage auf ein Wunder hoffen.
Am kommenden Montag nun kommt es in Wien zum großen Showdown, bei dem die Österreicher vom Papier her die schlechteren Chancen haben, aber auf den Rückhalt der gesamten Nation hoffen dürfen. Neben Bastian Schweinsteiger bei den Deutschen muss Österreich unter anderem auf den gelb-gesperrten Prödl verzichten. Eines bleibt festzuhalten: Es wird sicher kein müder Kick wie beim Skandalspiel 1982, nein, ganz im Gegenteil. Die Fans dürfen nun auf eine offensiv geführte Partie hoffen, das die Ösis unbedingt gewinnen müssen, um weiter zu kommen und das scheint nicht unmöglich. Mit den bisherigen Leistungen müssen sie sich keineswegs verstecken und wie heißt es so schön? Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.
Autor: Habibi

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