14. June 2008

Holland schießt sich ins Viertelfinale – und zum Top-Favoriten

Es war eine leidenschaftliche Partie, die beiden Teams alles abverlangte. Sowohl Frankreich, als auch die Niederlande zeigten eine respektable Leistung und boten dem Fußballfan alles, was er sehen wollte. Schade bloß, dass es im Fußball nur einen Sieger geben kann, denn wie in der ersten Partie siegten die Holländer erneut – vielleicht etwas zu hoch - mit drei Toren Vorsprung und überraschten damit ein weiteres Mal die Expertenwelt. Nach dem 3:0 über Weltmeister Italien bedeutete das 4:1 gestern Abend gegen Vizeweltmeister Frankreich den Einzug in die nächste Runde.

Die Holländer gingen mit der gleichen Aufstellung wie gegen Italien ins Spiel und begannen furios. Bereits in den ersten Minuten war zu sehen, dass beide Teams sich nichts schenkten und gerade Frankreich sich im Klaren darüber war, was auf dem Spiel stand. Neun Minuten waren gespielt, da köpfte Kuyt eine Ecke von Rafael van der Vaart ins Netz. Sein erster Turniertreffer war das erste Gegentor für die Franzosen nach unglaublichen 469 Länderspiel-Minuten und das trotz der wegen ihres Alters hart kritisierten französischen Abwehr. Das Tempo wurde im Folgenden angezogen und Frankreich wusste um die Wichtigkeit eines schnellen Treffers. Trotz vieler Chancen, vor allem auf blau-weißer Seite, schaffte es keine Mannschaft, die Kugel im Tor unterzubringen. Neben Torhüter van der Saar war es vor allem der starke Andre Ooijer, der dazu beitrug. Es bleibt zu sagen, dass der bei Barcelona stürmende Henry in der ersten Halbzeit völlig untergetaucht war und keine vernünftige Aktion zu Stande brachte, woran sich im zweiten Durchgang bis auf eine Ausnahme nichts ändern sollte.

Die zweiten 45 Minuten begannen so, wie die ersten endeten. Das Spiel hatte nichts von seiner Attraktivität verloren und so kam es in Minute Nummer 48 zum ersten Paukenschlag. Nach einem Schuss von Henry hatte Ooijer keine Reaktionszeit mehr, um den Arm aus der Schussbahn zu bewegen und verhinderte so den Ausgleich. Zwar kann man ihm in dieser Szene keine Schuld anhängen, allerdings stellt sich die Frage, was der Arm so weit weg vom Körper zu suchen hatte. Trotz heftiger Proteste der französischen Spieler und dem tobenden Raymond Domenech entschied Schiedsrichter Herbert Fandel, wie ich meine vertretbar, auf weiterspielen und ahnte wohl schon zu diesem Zeitpunkt, was nach der Partie auf ihn zukommen würde.

Die überaus ansehnliche Partie gewann weiter an Fahrt, womit die Franzosen dem 1:1 sichtlich näher kamen. Thierry Henry war es dann wenige Minute später, der frei auf Torwart Van der Saar zustürmte und die Chance, welche er noch vor Monaten mit verbundenen Augen genutzt hätte, auf unfassbare Art und Weise vergab. Trotz einer drückenden Überlegenheit der „Équipe Tricolore“ schossen die Oranjes wenig später nach überragender Vorarbeit von van Nistelrooy und einem perfekten Konter ihr zweites Tor und erhöhten auf 2:0 (59.).

Als alle erwarteten, dass Frankreich die Köpfe hängen lassen würde, vollendete ein schwacher Henry ein Zuspiel in der 71. Minute zum 2:1. Während allerdings das ganze Stadion noch über das Tor diskutierte und einige Franzosen begannen, die Marseillaise einzustimmen, hämmerte Arjen Robben den Ball aus unmöglichem Winkel über Torwart Coupè ins Tor (72.) und sorgte für eine Vorentscheidung. Den Schlusspunkt einer interessanten und temporeichen Partie setzte ein abermals grandios aufspielender Wesley Sneijder von Real Madrid, der den Ball aus 22 Metern unhaltbar im Kasten versenkte.

Mit dieser Leistung bestätigten die Holländer erneut ihre Titelambitionen und gehen als Favoriten auf die Jagd nach dem zweiten EM-Titel nach 1988. Ein vorbildlicher Teamgeist und die Tatsache des vorzeitigen Sicherns von Platz eins in der Hammergruppe C sind Beweis genug dafür, dass Bondscoach van Basten, der vor dem Turnier als umstritten galt, zusammen mit seiner Mannschaft für ein Oranges Sommermärchen sorgen könnte. In ihrem letzten Gruppenspiel gegen die vermeintlichen Underdogs aus Rumänien haben sie obendrein das Schicksal aller übrig gebliebener Mannschaften in Gruppe C in der Hand. Im Gegensatz zu dieser beruhigenden Ausgangssituation müssen die Franzosen am kommenden Dienstag ins Remake des WM-Finales gegen Italien, bei dem beide Mannschaften trotz eines Sieges aufgrund der schlechteren Punktesituation gegenüber Rumänien noch lange nicht weiter wären. Gleichzeitig würde den Rumänen ein Unentschieden in dieser Partie reichen, wenn sie mit nur zwei Toren Unterschied oder weniger verlieren. Diese außerordentlich spannende Ausgangslage verspricht wie schon in den Gruppen A und B einen spektakulären vierten Spieltag, nach dem mindestens ein Favorit die Heimreise antreten muss.

Autor: Habibi

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Ein Kommentar

1. taufrisch schrieb am 16. June 2008 um 14:53

ein kurzes Fussball Statement…

[...] dann die Niederländer, die haben nämlich wirklich guten Fussball gespielt. [...]…

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