Türkischer Workshop: Wie dreht man ein Spiel?
Die Türken sind die einzigen im bisherigen Verlauf des Turniers, die nach einem Rückstand die Partie doch noch für sich entscheiden konnten – und das bereits zwei Mal. Das erste Beispiel lässt sich im zweiten Spieltag der Gruppe A wieder finden. Schweiz-Türkei heißt es, der Verlierer fliegt. Zunächst führen die Schweizer durch ein Tor des gebürtigen Türken Hakan Yakin, ehe die türkische Nationalmannschaft sich am Riemen reißt und Alles auf den Sieg setzt. Nach knapp einer Stunde fällt durch ein Kopfballtor Semih Sentürks der Ausgleich, eine Minute vor Abpfiff dann der Siegtreffer dank der individuellen Klasse Arda Turans. Viele sind der Meinung, dass es reines Glück war. Dass es nicht so ist, sollte gegen Tschechien bewiesen werden.
Wieder gelangen die Türken in Rückstand. Jan Koller, ein Stürmer, der schon in die Jahre gekommen ist, trifft in der 34. Spielminute. Das übliche Spielchen beginnt: Die Türken warten erst einmal die Halbzeitpause ab, laufen dann nach der 15-Minütigen Erholung wieder auf und stellen sich auf den Turbomodus ein. Dieses Mal wird das Spielchen aber dank einer gegnerischen Trumpfkarte ein wenig erschwert: Plasil trifft zum 0:2 für seine Nation. Umso besser für den Beweis, dass die türkische Leistung nichts mit Glück zu tun hat.
Die Jungs lassen sich nicht von ihrem Ziel abbringen, schießen innerhalb der letzten 15 Minuten der Partie noch ganze drei Tore und fahren den so wichtigen Sieg ein. Türkei im Viertelfinale, Tschechien raus. Terim erfolgreich, Brückner arbeitslos. Die Frage lautet: Wie dreht man ein Spiel innerhalb von 15 Minuten?
Ich denke die spielerischen und fußballerischen Voraussetzungen sind all meinen Lesern bekannt. Natürlich brauchen die Spieler ein gewisses Talent, einen guten Spielführer, Haupt- und Nebenakteure in diesem Spielfilm, die alle etwas zum Ziel beitragen. Ein wichtiger Bestandteil ist es auch, wenn wir wieder die Parallele zur Filmindustrie ziehen, den Antagonisten auszuschalten. In diesem Falle war es Koller, der nach seinem Tor nur in den wenigsten Szenen Erfolg zu verkünden hatte. Auch dieser Schritt war also getan. Alles schön und gut, doch noch lange nicht genug.
Neben den oben genannten Aspekten nimmt der Wille, der Kampfgeist, die völlige Identifizierung mit dem Heimatland – kurz gesagt das Emotionale – eine äußerst wichtige Stellung ein. Was bringt denn schon ein Spieler, der nur für das Geld und für den Ruhm für seine Nation spielt? Lediglich, um seinen Marktwert zu steigern. Hat man denn nicht schon genug Beispiele für große Namen, die nach einem einzigen Turnier erloschen sind? Maniche aus Portugal, Kerzhakov aus Russland – nur zwei jener beschriebenen Spieler. Zu allererst muss die Einstellung der gesetzten Spieler stimmen, damit man solch ein Spiel noch an sich reißen kann. Die Türken waren entschlossen genug, die nächste Runde zu erreichen. Und sie haben es geschafft.
Es ist wichtig, dass man selbst nach einem Rückstand 90 Minuten lang nicht aufgibt und stets um Punkte bemüht ist. Vergleicht man die gestrige Partie beispielsweise mit dem Spiel Griechenland-Russland, ist der Unterschied deutlich zu erkennen. Die Griechen brauchten einen Treffer, um die Hoffnungen für die Endrunde aufbewahren zu können. Kein Druck auf die Russen, keine gescheiten Angriffe und letztendlich das frühe Aus des amtierenden Europameisters. So erging es den Türken nicht, da sie ihren Verstand und ihr Können mit ihren Emotionen zu vereinen wissen. Lobenswert, was die Jungs da geleistet haben.

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Ein Kommentar
1.
arda turanin kardesi schrieb am 14. July 2008 um 16:27
arda turan mein bruder!!!